4. Runder Tisch: Führungskräfte stärken beim Umgang mit Depressionen am Arbeitsplatz

Beim 4. Runden Tisch von und für zertifizierte Unternehmen des Essener Bündnis für Familie standen am Donnerstag Depression und Burn-out im Mittelpunkt der Veranstaltung in der LVR-Klinik. Personalverantwortliche und Geschäftsführer der Bündnisunternehmen tauschten sich über Erfahrungen im Umgang mit psychischen Erkrankungen aus und informierten sich anhand aktueller Impulsvorträge über deren Entstehung und die Auswirkungen ebenso wie über die Anforderungen an eine Wie-dereingliederung der Betroffenen und die mögliche Prävention.

Claudia Hoose, Bündniskoordinatorin, überbrachte eingangs Grußworte von Oberbürgermeister Thomas Kufen, Vorsitzender des Kuratoriums „Essener Bündnis für Familie“. Kufen unterstreicht die Bedeutung selbst tragender Netz-werkstrukturen, wie sie durch Bündnis-Gremien, Projekte und Netzwerkveranstal-tungen zunehmend entwickelt werden. Zugleich lobte er die Agilität der familien-freundlichen Unternehmen und ihre Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen und sich ebenso zeitnah wie nachhaltig weiterzuentwickeln.

Nahmen Depression und Burn-out als stark nachgefragtes Thema in den Fokus des gemeinsam organisierten 4. Runden Tisches (v. l. n. r.): Dagmar Klinge Hagenauer, BUK, Jane E. Splett, LVR-Klinikum, und Claudia Hoose, Bündniskoordinatorin. Foto: Jennifer Krämer/LVR-Klinikum Essen

Hannawald, Hitzfeld, Enke, Mälzer: Promis schieben öffentliche Debatte an

Eines der großen Probleme bei psychischen Erkrankungen ist nach wie vor die Scheu von Betroffen, sich die Krankheit einzugestehen. Ebenso sorgen auch die Probleme, die Angehörige wie Kollegen im Umgang mit ihr verspüren, nicht für eine Normalisierung – im Gegenteil. Da kann die öffentliche Auseinandersetzung durchaus dazu beitragen, dass Betroffene entstigmatisiert und ihre Wertschätzung nicht herabgesetzt wird.

4 Millionen Menschen in Deutschland betroffen

Jane E. Splett, Vorstandsvorsitzende des LVR-Klinikums und gleichzeitig Vorsitzende des Essener Bündnis gegen Depression, weiß, wovon sie spricht: „Genauso, wie Arbeit Spaß machen kann, kann sie auch krank machen. Gleichzeitig gibt es aber auch viele genetische Faktoren, die eine Rolle spielen. Und so gehören Depressionen zu den häufigsten Krankheiten weltweit. Sie kann jeden treffen, aber: Sie ist behandelbar!“ Tatsächlich sind allein in Deutschland 4. Millionen Menschen betroffen, etwa zwei Drittel davon sind in Behandlung. Jede 4. Frau und jeder 8. Mann erkranken in ihrem Leben daran.

Burn-out und Depression sind nicht dasselbe

Ganz individuelle Faktoren können ebenso wie die Faktoren am Arbeitsplatz zunächst zu einer Arbeitsüberforderung führen. Wenn Erschöpfungszustände dauerhaft anhalten und die Möglichkeit zur Regeneration nicht gegeben ist, kann es zunächst zum Burn-out kommen, einem Risiko-Zustand, der auch als Weg in die Depression bezeichnet werden kann. Mögliche Anzeichen sind leichte Reizbarkeit, Zynismus, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme sowie eine allgemeine Leistungsminderung. Eine Depression kann dann die Folge dieses Zustands sein, wenn der Stress tatsächlich chronischen Charakter hat.

Wege aus der Krise: Prävention und Wiedereingliederung im Fokus

Eine Studie der bayerischen Wirtschaft ergab, dass nicht Arbeit an sich krank macht, sondern individuelle Risikofaktoren (darunter die genetische Disposition) und ungünstige Arbeitsbedingungen. So rückt Letzteres für Unternehmen als Stellschraube in den Fokus, wenn Familienorientierung, Betriebliches Gesundheits- und Diversity Management zur Chefsache und zum Kern einer wertschätzenden Führungskultur erklärt werden. Während Versicherer bereits von enormen Steigerungen bei vorzeitig Berenteten sprechen, können Unternehmen also selbst aktiv werden.

„Die Wiedereingliederung beginnt bestenfalls direkt am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit“, weiß Splett zu berichten. Das Erkennen und Verstehen der Krankheit sei auch wichtig für das Verhalten der Führungskräfte, zugleich sollte die Zusammenarbeit mit Ärzten so eng sein, wie der Datenschutz es erlaubt. „Im Grunde gilt es, Vertrauen aufzubauen“.

Bestandsaufnahme und Ideenfindung durch die Gäste

Dagmar Klinge-Hagenauer, Geschäftsführerin der BUK Familienbewusstes Personalmanagement GmbH, die den Runden Tisch mitorganisiert, und Melanie Schulz, Leitung externe Mitarbeiterberatung bei der BUK, luden die Teilnehmer zum Austausch in zwei unterschiedliche Gruppen: Während die einen sich damit befassten, wie psychische Erkrankungen verhindert werden könnten, tauschten sich die anderen zum Thema der Messbarkeit psychischer Belastungen aus. Funktionierende Teamarbeit, gerechte Arbeitsverteilung, Supervision sowie Klarheit hinsichtlich Befugnissen und Aufgaben bestimmten den Austausch in der einen Gruppe, während die andere über Möglichkeiten und Grenzen der Psychischen Gefährdungsbeurteilung (PGB) und des Betriebliches Eingliederungsmanagements (BEM) diskutierten. Ganz spontan kam es dabei auch zu zwischenbetrieblichen Kooperationsabsichten, was die Agilität des Netzwerks unterstreicht.

Bei Fragen oder Interesse an der Teilnahme am Runden Tisch freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.